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10.10.2018 16:51 Alter: 64 days
Kategorie: Pressemitteilungen

27. CCTT Plenartagung in Russland: Ein Fazit der GETO


Basel, 11.10.2018. "Wer meine Ansprachen früherer Plenartagungen kennt, weiss, dass ich nicht nur Lob für Errungenschaften im Verkehr auf der Landbrücke zwischen Asien und Europa ausspreche, sondern auch Kritik übe. So gibt es aktuell Entwicklungen, die mich zum Nachdenken bringen, die mich sogar beunruhigen - Entwicklungen, denen wir uns gemeinsam stellen müssen". Im Anschluss an diese Worte fasste Hans Reinhard, Präsident der Group of European TransEurasia Operators and Forwarders (GETO) und zugleich Vice Chairman des CCTT, anlässlich der 27. Plenartagung des Internationalen Koordinationsrates für Transsibirientransporte CCTT (International Council on Transsiberian Transportation) in Sotchi (Russland) diverse negative Entwicklungen im Blockzugverkehr zwischen China und Europa zusammen.

Denn auch wenn die Wachstumsprognosen für 2018 im Hinblick auf abgefertigte Blockzüge bzw. TEU nach wie vor vielversprechend sind, so gibt es gravierende Hindernisse, die die Stabilität dieser Verkehre in Zukunft gefährden werden bzw. aktuell bereits gefährden.

In seinen Ausführungen wies Reinhard darauf hin, dass derzeit nationale GUS Bahnen von politischen Umständen profitieren, um mit nicht marktkonformen Raten und Bedingungen bestehende Zugverbindungen anzugreifen. Damit werden systematisch kleine und mittlere Betreiber vom Markt verdrängt, obwohl dies zu Qualitätsverlust führt und Koordinierungsprobleme in Europa verursacht. Ein Quasi-Monopolismus mit all seinen negativen Folgen ist damit vorprogrammiert.

Ein weiteres, akutes Problem ist die finanzielle Schieflage, in der sich verschiedene Operateure befinden, da chinesischen Plattformen weiterhin, wenn nicht sogar noch vermehrt, die Zwischenfinanzierung der Zugabwicklungen zwischen der chinesischen Aussengrenze und der europäischen Destination auf die Operateure verlagern. Neben Qualitätseinbussen führt das auch dazu, dass sich die Operateure nicht mehr auf die dringend notwendigen Investments im Infrastrukturbereich konzentrieren können.

Ein weiteres, bereits seit längerem bekanntes Problem sind die infrastrukturellen Mängel. Das europäische Schienennetz ist überlastet, insbesondere die Grenzübergänge sind problematisch. Vor allem in Deutschland sind die Züge im Netz zeitlich viel enger aufeinander abgestimmt, und es gibt eine viel größere Vielfalt an Gütern, was die Abfertigungen verzögert und verkompliziert.

Noch grösser ist die Problematik an der weissrussisch-polnischen Grenze in Malaszewicze. Angesichts des rasant steigenden Transportaufkommens vor allem im Westbound Verkehr ist diese multiterminale Grenzstation an der EU-Außengrenze bereits voll ausgelastet. Obwohl die Grenzinfrastruktur vor einigen Jahren mit EU-Mitteln modernisiert wurde, sind die Anlagen nicht auf das enorme Wachstum von Containerzügen aus China ausgelegt, die derzeit registriert werden. Im März d. J. wurde mit neuen, weiteren Modernisierungsmassnahmen begonnen, die jedoch gleichzeitig vorübergehend die Umschlagskapazität reduzieren. Alternative Routen über Kaliningrad oder Litauen werden derzeit geprüft. Eine Umsetzung solcher Pläne bedarf aber politischer Einflussnahme und entsprechender Investitionen, um früher oder später die Kapazitäten von Malaszewicze erreichen können.

In Deutschland würde es schon helfen, wenn das 740-Meter-Netzwerk zeitnah umgesetzt würde. Dann müssten die Züge z.B. aus Polen nicht an den Grenzen aufgeteilt werden. Längere Güterzüge bringen allen einen erheblichen Nutzen, die Transporte sind effizienter und billiger. Der reduzierte Aufwand an den Grenzübergängen spart Zeit und minimiert das Risiko von Verzögerungen oder Ausfallzeiten.

Zusammenfassend appellierte Reinhard erneut an die Teilnehmer der Tagung, sich um mehr Koordination und Zusammenarbeit zwischen den europäischen Akteuren und den chinesischen Plattformen zu bemühen. Statt Monopolismus zu fördern, sollte es der Wunsch aller am Eisenbahnverkehr zwischen Europa und Asien beteiligter Unternehmen sein, für mehr Transparenz und Marktvielfalt zu sorgen.

GETO als neutrale Interessengemeinschaft ist bereit, als Netzwerkbildner und Partner für politische Organisationen, kommerzielle Strukturen und mediale Multiplikatoren im Bereich Verkehrsträger, Spedition, Operations und Mehrwertdienstleistungen auf diesem Korridor zu fungieren.

"Nur gemeinsam können wir Lösungen schaffen, die dem heutigen schnellen Wachstum gerecht werden.", so Hans Reinhard abschliessend.